12. März 2012, 11:35


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Geschichte

Verein und Vereinsgelände gestern und heute

Hinweise zu Gründung und Entwicklung
(d. h.vom Sommer 1902 bis zum Winter 2011/2012)

Zusammenstellung von:
Bertold Heyder, Bohlenweg 53, 63739 Aschaffenburg
Aschaffenburg, 5.3.2012

Gründung:

In den Jahren nach 1890 erlebte die so genannte Kneipp-Bewegung in Deutschland einen Aufschwung. Diese Entwicklung machte sich auch in Aschaffenburg bemerkbar. Im Sommer 1902 schlossen sich einige an dieser Gesundheitsbewegung interessierte Frauen und Männer (60 Personen) zusammen und gründeten am 1.Juli 1902 einen vorläufig noch losen Zusammenschluss. Dies war kein Verein im rechtlichen Sinn mit einer Satzung usw.

Nach einigen Vorgesprächen und informellen Versammlungen wurde im August 1902 zur konstituierenden Generalversammlung für den 22.August 1902 (Freitag, abends 8 Uhr) in den neuen Saal der Gaststätte Hopfengarten eingeladen. Der gute Besuch dieser Versammlung zeigte das große Interesse der Anhänger der Naturheilmethode und der Kaltwasseranwendungen nach Sebastian Kneipp in Aschaffenburg.

Im Vorfeld hatte eine Kommission die Statuten ausgearbeitet. Diese wurden bei der Versammlung vorgelegt und diskutiert. Mit einigen wenigen Änderungen wurde die Satzung gebilligt. Der neue Verein heißt „Kneipp-Verein“. Eine Ortsbezeichnung fehlt. Nach späteren Zeitungsberichten dürfte der Verein den Namen „Kneipp-Verein Aschaffenburg“ bekommen haben. Die gewählte Vorstandschaft bestand aus acht Personen. Der von der Versammlung beschlossene Mitgliederbeitrag betrug 80 Pfennige im Vierteljahr. Jedes Mitglied bekam dafür alle 14 Tage aus Wörishofen die Vereinszeitschrift kostenlos zugeschickt. Über die Anzahl der Mitglieder des neuen Vereins ist nichts bekannt.

Im Anschluss an die Gründungsversammlung hielt der zum 1.Vorsitzenden gewählte Heinrich Risse einen Vortrag über die Kaltwasseranwendungen. Im Laufe seiner Ausführungen hatte er sich jedoch energisch gegen den Vorwurf der „Kurpfuscherei“ gewehrt. Er verwahrte sich gegen die Behauptung, dass er die Kaltwasseranwendung propagiere, um Geld zu verdienen. Er erklärte dabei auch die Gründe für sein Eintreten für eine gesunde Lebens- und Heilweise. Der Redner beschrieb auch die Schwierigkeiten, für den Verein einen in der Naturheilkunde bewanderten und zur Mitarbeit bereiten Arzt zu finden. Dies war notwendig, da im Vereinszweck (siehe weiter unten) ein Vereinsarzt vorgesehen war. Weiterhin führte er zu diesem Punkt aus, dass er keine Geheimmittel benötige. Es wurde in diesem Vortrag wurde auch das Thema „eigenes Vereinsgelände“ angesprochen.

Soweit die stark gekürzten Ausführungen aus der „Aschaffenburger Zeitung“ vom 23.08.1902. Auch im „Aschaffenburger Adreß-Buch“ von 1904 (II. Abteilung, Seite 73) wird als Datum der Gründung des Vereins der 22. August 1902 angegeben. Der Verein ist dort unter der Bezeichnung „Kneippverein Aschaffenburg“ aufgeführt.

Weiterhin ist dort vermerkt:

„Zweck: Kneipp`sche Heilmethode zu verbreiten und Verabreichung von Wasseranwendung jeder Art, aber nur auf Anordnung des Vereinsarztes durch erfahrene Personen.“

Zur Veranschaulichung der Situation (Schwierigkeiten) des neuen Vereins wird hier aus dem schon erwähnten Zeitungsbericht ein Abschnitt wörtlich (einschließlich der damaligen – 1902 – Schreibweisen) zitiert:

„Da sich ferner die hiesigen Aerzte in ihrer großem Mehrzahl nicht befreunden mit der Wasserkur, wie sie Pfarrer Kneipp begründet und wie sie auf der ganzen Welt angewendet wird, so liegt die Nothwendigkeit für den Verein vor, Sorge zu tragen, dass ein Arzt nach Aschaffenburg berufen wird, der die naturgemäße Heilmethode des Prälaten Kneipp an der Quelle studirt hat und der auf dem Boden der internationalen Kneipp-Vereine steht.“.

Vereinsnamen und Vereinsgelände:

Diese beiden Begriffe müssen hier gemeinsam behandelt werden. Die Gründe hierfür sind oftmalige Querverbindungen und auch die Unterscheidung zum anderen in Aschaffenburg bestehenden Verein, der sich ebenfalls der Gesundheitspflege verschrieben hat. Die in den Ausführungen erwähnten Adressbücher und Einwohnerbücher von Aschaffenburg können im Stadt- und Stiftsarchiv Aschaffenburg eingesehen werden.

In den Adressbüchern für Aschaffenburg für 1904, 1907 und 1910 ist der Verein unter dem Namen „Kneipp-Verein Aschaffenburg“ zu finden.

Im Adressbuch der Stadt Aschaffenburg von 1910 (Teil IV, Seite 41) ist unter Bade-Anstalten bei Punkt c zu lesen:

„Kneipp-Garten (am Bohlenweg), Luft- und Sonnenbad des Kneippvereins“

In den Adressbüchern von Aschaffenburg für 1913, 1914, 1925, 1927 und 1930/31 ist als Vereinsnamen „Verein für Gesundheitspflege e. V“ zu finden.

Im Einwohnerbuch von Aschaffenburg“ für 1930/31 ist folgender Eintrag vermerkt:

„Kneipp-Garten (Luftbad) am Bohlenweg, Luft- und Sonnenbad des Vereins für Gesundheitspflege“

Weiterhin ist unter „Vereine und Vereinigungen“ (wie im vorherigen Abschnitt) vermerkt:

„Verein für Gesundheitspflege Aschaffenburg e.V.
(Mitglied des Deutschen Bundes der Vereine der naturgem. Lebens. und Heilweise)
Vors.: Hermann Nachtwey, Kaufmann, Bismarckallee 22“

persönliche Anmerkungen:

Bei den beiden hier aufgeführten Vereinen dürfte es sich um denselben Verein handeln. Die zweimalige Nennung ist eventuell erfolgt, damit er (d.h. der Verein) im Verzeichnis sicher gefunden wird (bei G und V). Ob es sich um den (oder einen) Vorgänger des heutigen Naturheilvereins handelt, ist mir nicht bekannt. Es dürfte aber so sein, da der hier genannte Vorsitzende auch später Vorsitzender des Trägervereins des Luftbades (übliche Bezeichnung für das Vereinsgelände Bohlenweg 54) war.

Im „Einwohnerbuch der Stadt Aschaffenburg“ für 1933 ist im 4. Teil (Seite 458) vermerkt:

„Kneipp-Garten (Luftbad) am Bohlenweg, Luft- und Sonnenbad des Vereins für Gesundheitspflege“

Das „Einwohner-Buch der Stadt Aschaffenburg“ für 1937/38 enthält im 4. Teil (Seite 13) unter „Luftbäder“ den Eintrag:

„Luftbad des Kneippvereins e.V. (Kneippgarten am Bohlenweg)“

Weiterhin ist unter „Verbände und Bünde“ (Seite IV/15 -Verbände und Bünde, denen hiesige Vereine und sonstige Organisationen angeschlossen sind; Stand vom 1.1.1937) ein weiterer Vereinsname vermerkt und zwar:

„Deutscher Bund der Naturheilvereine in Berlin, Verein für Gesundheitspflege“

Persönliche Anmerkung zu diesem Vereinsnamen:

Durch die im Jahr 1933 von der NS-Regierung eingeführte Gleichschaltung (eine beschönigende Beschreibung für die umfassende Kontrolle durch NS-Behörden auf vielen, wenn nicht sogar auf allen Gebieten) war ein Vereinsleben im herkömmlichen Sinn nicht mehr möglich. Es galt das so genannte „Führerprinzip“. Dies ist auch aus den damals neu eingeführten Bezeichnungen „Vereinsführer“ bzw. „stllv. Vereinsführer“ sowie aus der Ortsangabe „Berlin“ ersichtlich.
Quelle zu Vereinsführer: Vereinsregister beim Amtsgericht Aschaffenburg für 1938

Im „Einwohner-Buch der Stadt Aschaffenburg“ für 1939/40 ist im 4. Teil (Seite 15) das Vereinsgelände wie folgt aufgeführt:

„Luftbad des Kneippvereins e.V. (Kneippgarten am Bohlenweg)“

Im gleichen Einwohner-Buch ist auch das Vereinsgelände des anderen in Aschaffenburg bestehenden Gesundheitsvereins erwähnt:

„Luft- und Sonnenbad des Vereins für Gesundheitspflege (Luftbad an der Ludwigsallee)“

Nach dem Zweiten Weltkrieg findet man als Vereinsnamen und Bezeichnung für das Vereinsgelände im Adressbuch von Aschaffenburg für 1952 folgenden Eintrag:

„Verein für naturgemäße Lebens- und Heilweise e.V. (Naturheilverein), Licht- und Luftbad am Bohlenweg“

Ein Eintrag im Adressbuch von Aschaffenburg für 1956 ist etwas ausführlicher:

„Verein für naturgemäße. Lebens- u. Heilweise e.V. (Prießnitz-Bund) Licht- und Luftbad, Kneippverein e.V. Luft- und Sonnenbadanlage“

Im Adressbuch von Aschaffenburg für 1960 wird der Verein wie folgt bezeichnet:

„Verein für naturgemäße Lebens- und Heilweise e.V. (Priessnitzbund)“

Weiterhin ist vermerkt:

„Licht- und Luftbad am Bohlenweg“

Im Adressbuch von Aschaffenburg für 1966/67 steht im Vereinsregister folgender Eintrag:

„Verein für naturgemäße Lebens- und Heilweise e.V. (Priessnitz-Bund), Sitz Aschaffenburg“

Anmerkung zu den verschiedenen Vereinsnamen:

Die unterschiedlichen Bezeichnungen für das Vereinsgelände bzw. die verschiedenen Namen des Vereins tragen etwas zur Verwirrung bei. Diese Verwirrung wird noch durch den zweiten Aschaffenburger Verein, der sich auch der Gesundheitspflege widmet, verstärkt. Dieser Verein wird im Einwohner-Buch für 1939/40 als „Kneippverein Aschaffenburg e.V.“ bezeichnet. Sein Gelände wird unter „Luft- und Sonnenbad des Vereins für Gesundheitspflege (Luftbad an der Ludwigsallee)“ geführt. Dieses Gelände befindet sich neben dem ehemaligen städtischen Obstgarten auf der rechten Seite des heute fast zugewucherten Fußwegs von der Ludwigsallee über den Büchelberg nach Haibach. Dieser Teil der Ludwigsallee (d.h. von der Schongauerstraße bis zur Zufahrt zum Klinikum) führt ab 2012 die Bezeichnung „Alois-Alzheimer-Allee“.

Ankauf und Ausbau des Vereinsgeländes:

Schon im Bericht (Aschaffenburger Zeitung vom 23.8.1902) von der Gründungsversammlung am 22.8.1902 ist vermerkt, dass man die Errichtung einer vereinseigenen Kneipp-Anstalt vorhabe. In besagtem Zeitungsbericht liest sich das wie folgt (wörtliches Zitat mit der damaligen – 1902 – Schreibweise).

„Es soll dahin gearbeitet werden, daß womöglich mit der von Seiten der Stadt neugeplanten Badeanstalt auch eine Abtheilung für die Anwendung der Kneippschen Wasserkur eingerichtet werde.“

Der Verein kaufte um ca.1910 an der damals noch nicht bebauten bzw. bewohnten Straße „Bohlenweg“ zunächst einen Geländestreifen von ca. 3000 2 Größe. Das Gelände reichte vom Bohlenweg bis zum Bach im Kühruhgraben. Im Lauf der Jahre wurde in Eigenregie von rührigen Mitgliedern das Vereinsgelände zu einem Ort für Erholung und Freizeit ausgebaut. So wurde 1924 ein Gartenhaus erstellt. Die ersten Umkleidekabinen wurden 1928 errichtet. Am Anfang der 1930er-Jahre wurden weitere ca. 3000 m2 Gelände dazugekauft und Stück für Stück (z.B. die so genannten Liegegärten) für den Vereinszweck angelegt.

Im Jahr 1936 wurde das Angebot für die Freizeitaktivitäten der Mitglieder durch den Bau eines Schwimmbeckens im Kühruhgraben erweitert. Das sehr frische (mit 12 Grad Celsius bis oft nur 18 Grad Celsius) nur für „hartgesottene Naturapostel“ geeignete Wasser für dieses Schwimmbecken stammte aus dem dort fließenden und manchmal aufgestauten Bach. Diese Badeanlage wurde später etwas umgebaut und durch ein Planschbecken und eine Wassertretanlage ergänzt. Ein Vereinsheim im heutigen Sinn – also mit der Möglichkeit der Bewirtung usw. – gab es damals noch nicht. Es bestanden auch einfache Wettkampfanlagen für Leichtathletik (z.B. für Hochsprung und Weitsprung), wo sich heute die Liegeterrasse befindet.

Quelle: Festschrift „100 Jahre …“ (Seiten 11 und 15)

Durch die Einwirkungen der Fliegerangriffe im Herbst/Winter 1944/45 ist eine geordnete Wasserversorgung in vielen Teilen Aschaffenburgs weitgehend ausgefallen. Dies galt natürlich auch für das Wohngebiet um das Luftbad. Die Bevölkerung holte das Wasser aus dem Bach im Kühruhgraben. Eine der Wasserentnahmestellen (nicht offiziell, also stillschweigend geduldet – mit allen hygienischen Risiken) für den oberen Bohlenweg war im Luftbad und zwar an der Stelle, an der der (Kühruh-) Bach durch das Gelände geflossen ist bzw. immer noch fließt (frühere Schwimmbecken, Planschbecken, Wassertretanlage). Von direkten Bombentreffern im Vereinsgelände ist mir nichts bekannt. Durch Beschuss während der Belagerung von Aschaffenburg wurde das damals bestehende einfache Vereinsheim (Holzbau mit verschiedenen Räumen für das Unterstellen von Gerätschaften usw.) beschädigt.

Quelle: eigene Erinnerungen

Das Vereinsleben konnte direkt nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges (Mai 1945) nicht installiert werden, da die US-Militärverwaltung (Besatzungsmacht) zunächst Aktivitäten auf diesem Gebiet untersagt hat. Zusätzlich mussten bei Vereinsgründungen (auch bei Wiedergründungen) personelle Vorgaben der US-Verwaltung erfüllt werden. Dazu gehörte beispielsweise die Forderung, dass einige Leitungsfunktionen (Vorsitzender, Schriftführer und Kassier) im Verein nicht von ehemaligen Mitgliedern der NSDAP oder einer ihrer Gliederungen (z.B. SA, SS usw.) besetzt werden durften. Weiterhin mussten fünf weitere Personen, die den zuvor genannten Forderungen der US-Behörden entsprachen, zunächst der Stadtverwaltung als Bürgen benannt werden. Die Stadtverwaltung hat dann die Personen (Vorstandsmitglieder und Bürgen) an die US-Verwaltung weitergemeldet.

Quelle: Alois Stadtmüller „Aschaffenburg nach dem Zweiten Weltkrieg“.

Persönliche Anmerkung zum Procedere bei der Wieder- bzw. Neugründung:

Es ist wohl klar, dass unter diesen Bedingungen eine Vereinsgründung nicht ganz einfach war. Hinzu kam ja auch noch die große Not (z.B. Rationierung der Lebensmittel, beengte Wohnverhältnisse usw.) und die Tatsche, dass viele Bürger nach Kriegsdienst und eventuell sich anschließender Gefangenschaft sich zunächst einmal nicht zu einer Tätigkeit in einem Verein entschließen wollten oder konnten, zumal sie auch noch durch eine 48-Stundenwoche an ihrem Arbeitsplatz gefordert wurden. Weiterhin erschwerte ihnen die eingeschränkte Mobilität (kaum private Telefone und kaum private PKW) das Engagement in einem Verein.

Das Luftbad als Gelände war jedoch zugänglich. Es diente auch ohne die Institution „Verein“ für viele Aschaffenburger – besonders aus dem Gebiet um den Bohlenweg – als Freizeiteinrichtung.

Quelle: eigene Erinnerungen

Ungefähr zwei Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde für den 29.4.1947 für abends 8 Uhr ins „Gasthaus „Ludwigshöhe“ (Sauer) im oberen Teil der Ludwigsallee zur Wiedergründung des Vereins eingeladen.

Quelle: Vereinsregister beim Amtsgericht Aschaffenburg für 1947

Auch nach der Wiedergründung 1947 waren rührige Mitglieder bestrebt, das Vereinsgelände zu verbessern. Dazu wurde der Verein von US-Pionieren mit Planierraupen unterstützt. Es wurde das Gelände gründlich umgestaltet. So entstand der heute noch weitgehend bestehende Zustand. Das Freigelände wurde in Eigenregie durch das Anlegen eines Kinderspielplatzes, eines Prellballplatzes und von Schaukeln besser ausgestattet..

Quelle: Festschrift „100 Jahre …“ (Seite 11)

Am Ende der 40er-Jahre und am Anfang der 50er-Jahre wurden mit der Turnspielabteilung des TV 1860 Aschaffenburg im Prellball (freundschaftliche) Vergleichskämpfe (keine Rundenspiele im Rahmen eines Sportverbandes) durchgeführt. Weitere Einzelheiten hierzu (Tage der Durchführung, Mannschaftsaufstellungen, Ergebnisse usw.) sind mir nicht bekannt.

Quelle: eigene Erinnerungen

Ab 1961 konnten sich die Mitglieder nach dem Badevergnügen in einem neuen und festen Sanitärbau duschen. In diesem Bau befanden sich auch die für damalige Zeiten modernen Toilettenanlagen. In den Jahren 1967/68 wurde das neue Vereinsheim errichtet. Die 1970er-Jahre brachten einige weitere Verbesserungen. Ein Freisitz und die Pflasterwege wurden angelegt. Nun war es auch möglich, Vereinsversammlungen im eigenen Vereinsheim abzuhalten. Bisher musste hierfür in andere Lokale (z.B. 1947 in die Gaststätte „Ludwigshöhe“, 1958 in das „Cafe Godelsberg“, 1961 in das „Hofgarten-Cafe“, 1963 in das „Speisehaus Pape“) ausgewichen werden.

Am 1.1.1974 wurde der Verein Mitglied im Bayerischen Landes-Sportverband (BLSV) (siehe auch Seite 7) und nannte sich nun offiziell

„Naturheilverein und allgemeiner Sportverein Aschaffenburg, gegr. 1902. Sitz Aschaffenburg/Main“.

Der Entschluss zum Eintritt in den BLSV war im Verein nicht unumstritten. Es mussten dazu sogar zwei Hauptversammlungen angesetzt werden, da die erste am 20.6.1973 nicht beschlussfähig war. In dieser Hauptversammlung wurde der geplante Wechsel ausgiebig diskutiert. Es wurden die an den Priessnitz-Bund abzuführenden Beiträge angesprochen. Einem der Diskussionsbeiträge war zu entnehmen, dass dort eine „unverantwortliche“ Finanzpolitik (z.B. fehlende Kassenbuchführung und Unübersichtlichkeit) betrieben wurde. Ein Beitrag befasste sich auch mit dem in der DDR angemeldeten früheren Vermögen des Priessnitz-Bundes. In einigen der Diskussionsbeiträge konnte man eine gewisse Unzufriedenheit mit dem Verhalten des bisherigen Dachverbandes feststellen. Am 4.7.1973 wurde dann in der zweiten Hauptversammlung beschlossen, den Antrag um Aufnahme in den BLSV zu stellen. Hierzu wurde eine geheime Abstimmung durchgeführt. Für den Beitritt zum BLSV stimmten 26 Mitglieder (bei einer Gegenstimme, d.h. für den Verbleib beim Priessnitz-Bund). Dieser Schritt (Wechsel zum BLSV) war notwendig und sinnvoll, denn der Verein kam so leichter an die bei Bauvorhaben wichtigen Fördergelder der öffentlichen Hand (z.B. Mittel vom Freistaat Bayern über die Staatsmittelabteilung des BLSV). Weiterhin können bei einer Mitgliedschaft im BLSV auch dessen sonstige Vergünstigungen (z.B. Sportunfallversicherung, Versicherung bei der Verwaltungsberufsgenossenschaft usw.) in Anspruch genommen werden. Wichtiger für die meisten Mitglieder war jedoch der Neubau des Schwimmbeckens und der beiden anderen Einrichtungen (Wassertretanlage und Kinderplanschbecken) mehr in der Mitte des Vereinsgeländes.

Quellen: Festschrift: „100 Jahre … (Seiten 11 und 13), Vereinsregister beim Amtsgericht Aschaffenburg, BLSV-Hinweise zur Sportunfallversicherung usw., eigene Erinnerungen

Die bisherigen Einrichtungen (Schwimmbecken, Wassertretanlage und Kinderplanschbecken) im Kühruhgraben wurden aufgelassen und sind im Laufe der Zeit zurückgebaut worden bzw. verfallen. In nebenstehendem Bild kann man von den damaligen Anlagen noch einen Betonbrocken erkennen, der zu einer Wasserabsperrung gehörte, die das Wasser für die drei Becken aufstaute.

Das Gelände zwischen der bisherigen südlichen Begrenzung des Vereinsgeländes (Bach im Kühruhgraben) und der Verbindungslinie der beiden Straßenansätze der Altdorferstraße (zwischen der Kneippstraße und der Riemenschneiderstraße) wurde von der Stadt Aschaffenburg übernommen.

Dieses Gelände wurde 1992 unter Naturschutz gestellt. Es gehört nun zum: „Geschützter Landschaftsbestandteil Unterer Kühruhgraben“.

Eingriffe in das Landschaftsbild (z.B. Anlegen von Wegen, Ausheben von Bachläufen usw.) sind untersagt. Es dürfen beispielsweise auch keine chemischen und mechanischen Maßnahmen vorgenommen werden. Auch Ablagerungen jeglicher Art sind verboten. Der Katalog der Schutzmaßnahmen geht noch weiter.

Das neue Schwimmbecken (12½ m lang und 8 m breit) und das neue Wassertretbecken wurden mehr in die Mitte des Geländes (näher zum Bohlenweg und damit näher zum Vereinsheim) verlegt. Am östlichen Rand des Schwimmbeckens wurde zusätzlich eine Liegeterrasse errichtet. Diese drei Einrichtungen wurden aus Sicherheitsgründen eingezäunt.

Im Schwimmbecken stehen bei einer durchschnittlichen Wassertiefe von 1,15 m (mit ca. 2 m3 am Einstieg) für das Schwimmen insgesamt ca. 117 mWasser zur Verfügung.

Die Wassertretanlage hat eine Länge von 4 m und eine Breite von 1,5 m. Bei einer durchschnittlichen Wassertiefe von ca. 0,4 m stehen für die Gesundheit ca. 2,4 m3 Wasser zur Verfügung.

Das neue Kinderplanschbecken ist ebenfalls dort angeordnet (d.h. mehr in der Mitte des Geländes). Es ist aber nicht mit eingezäunt.

Diese neuen Becken werden nun mit Wasser aus der öffentlichen Wasserversorgung gefüllt. Einige technische Neuerungen (z.B. eine moderne Filteranlage) waren notwendig und wurden auch eingebaut. Auch in den nachfolgenden Jahren (so ab ca. 1989) wurden von den Mitgliedern meist in Eigenregie weitere Verbesserungen vorgenommen. Dazu gehört der Bau einer weiteren Reihe von Kabinen.

Quellen: Festschrift „100 Jahre …“ (Seiten 11 und 13), augenblicklich (2011) geltende Vereinssatzung, mündliche Mitteilungen von Sigurd Berndorfer, Internet „Naturschutzverordnung der Stadt Aschaffenburg“, eigene Erinnerungen

Die das Vereinsgelände beherrschende Linde (Sommerlinde; tilia platyphyllos) wurde im Jahr 1984 als Naturdenkmal unter Naturschutz gestellt.

Der Paragraf 2 der diesbezüglichen Verordnung der Stadt Aschaffenburg vom 27.8.1984 lautet:

„Die Sommerlinde ist als Naturdenkmal zu schützen, da ihre Erhaltung wegen ihrer hervorragenden Schönheit, ihres Alters und ihres markanten Standortes im öffentlichen Interesse liegt.“

In den weiteren Paragrafen dieser Verordnung wurde genau festgelegt, welche Aufgaben der Verein bei der Erhaltung dieses Naturdenkmals hat.
In der Zwischenzeit mussten in der Krone der Linde Stahlseile gespannt werden, um einem Auseinanderbrechen rechtzeitig vorzubeugen.

Quellen: Internet „Sommerlinde in Aschaffenburg“, Internet „Naturschutzverordnungen der Stadt Aschaffenburg“, Festschrift „100 Jahre …“ (Seiten 5 und 11),, eigene Erinnerungen

Im Jahr des 90-jährigen Bestehens (im Jahr 1992) waren wieder eifrige und fachkundige Mitglieder am Werk. Sie errichteten (bis 1994) ein neues Gebäude (Erweiterungsbau) für die nun notwendige Technik und mit zusätzlichen Sanitärräumen. Im Untergeschoss dieses Gebäudes wurde ein Gymnastikraum eingerichtet.

Die im Jahr 2001 angeschaffte Dosieranlage zur hygienisch einwandfreien Wasseraufbereitung wurde in diesem Technikgebäude untergebracht. Die Qualität des Wassers unterliegt nun der Kontrolle eines privaten Labors und des Gesundheitsamtes.

Zur gleichen Zeit (also ca. in 2001/02) wurde das Vereinsheim gründlich überholt. Auch bei diesen Arbeiten waren wieder einige Mitglieder aktiv. Das Vereinsheim präsentierte sich nach dieser Renovierung innen und außen neu. Für die Küche wurden eine Industriespülmaschine und einige Kühlgeräte angeschafft. Über dem Freisitz an der Außenseite wurde entlang der Fensterfront des Gastraumes des Vereinsheimes eine Markise montiert. Es liegt in der Natur der Sache, dass nicht alle Arbeiten von Vereinsmitgliedern ausgeführt werden konnten. Bei einigen Gewerken waren Spezialfirmen im Einsatz. Das kostete Geld. Dieses Geld wurde durch Beitragerhöhungen bzw. Sonderumlagen aufgebracht. Trotzdem muss hervorgehoben werden, dass der Unterhalt des Geländes und seiner Einrichtungen nicht ohne die stetige Mithilfe von Mitgliedern möglich ist.

Quellen: Festschrift „100 Jahre …“ (Seiten 11 und 13, mündliche Mitteilungen von Sigurd Berndofer, eigene Erinnerungen

Mitgliedschaften in Verbänden:

Bis zur Gleichschaltung (1933) war der Verein Mitglied des Deutschen Bundes der Vereine für naturgemäße Lebens- und Heilweise. Durch die Gleichschaltung im Dritten Reich war der Verein Mitglied (mehr eine Untergliederung) im „Deutscher Bund der Naturheilvereine in Berlin“ geworden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war der Verein Mitglied im Priessnitz-Bund.

Seit 1.1.1974 ist der Verein Mitglied des Bayerischen Landes-Sportverbandes (BLSV).

Quellen: Adress- bzw. Einwohnerbücher von Aschaffenburg (Stadt- und Stiftsarchiv Aschaffenburg), Festschrift „100 Jahre … (Seite 13)

Naturgemäß war der Wechsel (siehe auch Seite 5) des Dachverbandes innerhalb des Vereins bzw. der Vorstandschaft nicht unumstritten. Es gab Spannungen bzw. Diskussionen zwischen den Anhängern des Verbleibens im bisherigen Dachverbandes (Priessnitz-Bund) und Befürwortern des Wechsels zum Bayerischen Landessportverband (BLSV). Die Unstimmigkeiten legten sich aber bald.

Quelle: eigene Erinnerungen

Anmerkung: Die Bezeichnung „Chronik“ für diese Ausarbeitung ist nicht richtig, da diese Ausführungen den Ansprüchen einer Chronik nicht genügen. So wurde beispielsweise der strenge zeitliche Ablauf nicht eingehalten. Weiterhin fehlen zu einer Chronik noch einige wichtige und einwandfreie Angaben (z.B. zu Erwerb und Ausbau des Geländes usw.).

Bertold Heyder
Aschaffenburg, 5.3.2012

Diese Zusammenfassung gibt es auch hier als PDF zum Herunterladen.